SEDDS-Technologien & Nanoemulsionen für die orale Wirkstoffverabreichung neu gedacht
8. Juli 2026
Lipidbasierte Hilfsstoffe von IOI Oleo tragen dazu bei, die Bioverfügbarkeit schwer löslicher Wirkstoffe gezielt zu verbessern.
Der Großteil neuer Wirkstoffkandidaten in der klinischen Entwicklung weist eine geringe Wasserlöslichkeit, eine schlechte Aufnahmefähigkeit oder eine Kombination aus beidem auf. Daraus ergeben sich wachsende Herausforderungen für den Formulierungsentwickler, während zugleich das Interesse an oral verfügbaren Therapien für komplexe Moleküle steigt. Ein Beispiel hierfür ist die intensive Forschung an GLP-1-Analoga, welche die Aufmerksamkeit zusätzlich auf Formulierungstechnologien lenkt, die die orale Verabreichung anspruchsvoller Wirkstoffe ermöglichen oder unterstützen sollen. Dazu zählen etablierte selbstemulgierende Wirkstoffträgersysteme (SEDDS, SMEDDS und SNEDDS), die im Zuge dieser Entwicklungen weiter an Bedeutung gewinnen.
Vor diesem Hintergrund rücken auch lipidbasierte Hilfsstoffe stärker in den Fokus. Mit jahrzehntelanger Erfahrung in der Lipidchemie, GMP-konformer Produktion und Anwendungsentwicklung unterstützt IOI Oleo Formulierer bei der Entwicklung von Drug-Delivery-Systemen für orale, topische und parenterale Anwendungen.
Warum SEDDS? Lösungen für aktuelle Herausforderungen der Bioverfügbarkeit
SEDDS (Self-Emulsifying Drug Delivery Systems) basieren auf einer Kombination aus Lipiden, Tensiden und Co-Lösungsmitteln. Nach Kontakt mit gastrointestinalen Flüssigkeiten bilden sie spontan feine Emulsionen oder Nanoemulsionen, die die verfügbare Oberfläche für die Wirkstoffverteilung deutlich vergrößern. Dadurch kann der Wirkstoff länger in gelöster Form vorliegen und effizienter aufgenommen werden.
Aus diesem Mechanismus ergeben sich mehrere Vorteile:
- verbesserte Solubilisierung schwer löslicher Wirkstoffe
- erhöhte Absorption und Bioverfügbarkeit
- geringerer Einfluss von Nahrung auf die Wirkstoffaufnahme
- schnellerer und besser reproduzierbarer Wirkungseintritt
Funktionelle Hilfsstoffe als Schlüssel leistungsfähiger SEDDS-Formulierungen
Für die Entwicklung von SEDDS stehen heute unterschiedliche Klassen lipidbasierter Hilfsstoffe zur Verfügung. Je nach Wirkstoff und Formulierungsziel kommen diverse Lipide, Emulgatoren und Lösungsvermittler zum Einsatz. IOI Oleo bietet hierfür ein Portfolio für verschiedene Anwendungsbereiche:
- Mittelkettige Triglyceride (MCTs) der MIGLYOL®-Reihe dienen als polare, niedrig-viskose Ölphase, die Wirkstoffe lösen und solubilisieren
- Partialglyceride der IMWITOR®-Produktfamilie sind multifunktional als Wirkstoffträger, Tenside und Lösungsvermittler
- SOFTIGEN® 767 als Co-Tensid und Lösungsvermittler
Die einzelnen Komponenten übernehmen dabei vielfältige Aufgaben. Sie können die Solubilisierung des Wirkstoffs unterstützen, die Emulsionsbildung beeinflussen oder zur Stabilität der Formulierung beitragen. Erst ihr abgestimmtes Zusammenspiel bestimmt die Performance des Systems.1,2
IMWITOR® 375: Unterstützung bei Nanoemulsionen
Interne Untersuchungen und Studien mit Entwicklungspartnern zeigen, dass IMWITOR® 375 die Bildung von Nanoemulsionen fördern und die Verkapselung von Wirkstoffen verbessern kann. Diese Merkmale machen den Hilfsstoff zu einer interessanten Option für Formulierungen, bei denen hohe Wirkstoffbeladung und effiziente Freisetzung angestrebt werden.
IMWITOR® 742: Amphiphiler Hilfsstoff für lipophile Wirkstoffe
IMWITOR® 742 wird häufig in SEDDS-Formulierungen eingesetzt, um die Löslichkeit lipophiler Wirkstoffe zu verbessern. Aufgrund seiner amphiphilen Eigenschaften unterstützt der Hilfsstoff die schnelle Bildung feiner Emulsionen in gastrointestinalen Flüssigkeiten. Wissenschaftliche Arbeiten zu SEDDS-Technologien zeigen, dass IMWITOR® 742 ein wirkungsvolles Werkzeug sein kann, um Formulierungsherausforderungen bei schwer löslichen Wirkstoffen der BCS-Klassen II und IV zu adressieren.
Was muss bei einer SEDDS-Formulierung beachtet werden?
Die Auswahl geeigneter Hilfsstoffe ist ein wichtiger Baustein der Formulierungsentwicklung. Ergänzend dazu müssen verschiedene physikochemische Parameter berücksichtigt werden:
- das hydrophil-lipophile Gleichgewicht (HLB-Wert)
- die Tropfengrößenverteilung der entstehenden Emulsion (bei SNEDDS typischerweise unter 100 nm)
- die thermodynamische Stabilität der Formulierung
- die Kompatibilität zwischen Wirkstoff und Hilfsstoffen
- die erreichbare Wirkstoffbeladung (Loading Capacity)
Die Gewichtung dieser Parameter richtet sich nach den Eigenschaften des jeweiligen Wirkstoffs und dem angestrebten Formulierungsziel.
Orale GLP-1-Formulierungen als aktuelles Forschungsfeld für selbstemulgierende Wirkstoffträgersysteme
Die Entwicklung oral verfügbarer Peptidtherapien hat das Interesse an lipidbasierten Wirkstoffträgersystemen in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Studien zu selbstemulgierenden Formulierungen für GLP-1-Wirkstoffe zeigen, welche zentrale Rolle die Auswahl geeigneter Hilfsstoffe für Solubilisierung, Stabilität und Wirkstoffaufnahme spielt. Mehrere der in diesen Untersuchungen eingesetzten Hilfsstofftypen finden sich auch im Portfolio von IOI Oleo wieder. Darüber hinaus wurden vergleichbare lipidbasierte Hilfsstoffe bereits in ähnlichen Formulierungskonzepten untersucht.3
Sie möchten die vorgestellten Hilfsstoffe näher kennenlernen? Gerne stellen wir Ihnen weiterführende Informationen und auf Anfrage auch entsprechende Produktmuster zur Verfügung.
1 Al-Maghrabi et al.; 2026, Design of self-nanoemulsifying systems for peptide delivery: effect of lipid digestion on octreotide oral delivery, PBP World Meeting, Prague
2 Liu et al., 2026, A Novel Solid Self-Emulsifying Drug Delivery System (SEDDS) for Antimalarial Agent with pH-Triggered Dissolution Manufactured via Hot-Melt Extrusion, PBP World Meeting, Prague
3 Weitere Informationen zu aktuellen Forschungsarbeiten zur oralen Verabreichung von GLP-1-Wirkstoffen und den dabei eingesetzten Hilfsstoffklassen finden Sie im Newsletter von Pharma Excipients. [Stand: Juli 2026]
Robert Radsziwill
Robert ist Business Development Manager für funktionelle Hilfsstoffe in der Business Unit Pharma der IOI Oleo GmbH. Vor seiner Zeit bei IOI war er 13 Jahre lang in unterschiedlichen technischen und kaufmännischen Positionen rund um pharmazeutische Rohstoffe in der Pharma- und medizintechnischen Industrie tätig. In jeder seiner Tätigkeiten nutzte er sein Wissen, das er an der Westfälischen Wilhelms-Universität im Rahmen seines Diplomabschlusses in Wirtschaftschemie erworben hat, um interdisziplinäre Projekte voranzutreiben und als Schnittstelle zwischen kaufmännischen und technischen Entscheidungsträgern zu fungieren. Das Verständnis für technische, kommerzielle und regulatorische Faktoren von der Idee bis zum erfolgreichen Projektabschluss ist für ihn von zentraler Bedeutung. In seiner Freizeit hört er gerne gitarrenlastige Musik und kocht für und mit Familie und Freunden.

