Die Zukunft der Arzneimittel beginnt beim Hilfsstoff

26. Oktober 2026

Was macht ein Arzneimittel innovativ? Ein neuer Wirkstoff, eine individuell abgestimmte Dosierung oder ein neuartiges Herstellungsverfahren? All das gehört dazu. Doch ein entscheidender Faktor bleibt dabei häufig im Hintergrund – der pharmazeutische Hilfsstoff.

Je komplexer Wirkstoffe und je individueller Therapien werden, desto mehr kommt es auf die Eigenschaften der eingesetzten Materialien an. Für uns bei IOI Oleo steht deshalb fest: Wer die Arzneimittel von morgen entwickeln will, muss auch die Hilfsstoffe neu denken. Aus mehreren guten Gründen.

Drei Herausforderungen, die neue Hilfsstoffe verlangen

Die pharmazeutische Entwicklung stellt Formulierer vor vielfältige Aufgaben. Drei davon zeigen besonders deutlich, warum neue Ansätze gefragt sind:

  • Anspruchsvolle Wirkstoffe: Schwer lösliche Wirkstoffe erfordern innovative Formulierungskonzepte, die ihre Verarbeitung und Anwendung ermöglichen.
  • Individuelle Arzneiformen: Patientenorientierte Therapien verlangen nach flexiblen Formulierungen und gezielt einstellbaren Eigenschaften.
  • Neue Materialanforderungen: Pflanzliche Alternativen zu mineralölbasierten und petrochemischen Hilfsstoffen gewinnen an Bedeutung.

Herkömmliche Hilfsstoffe können diese Anforderungen nicht immer gleichermaßen erfüllen. Warum also nicht ihre Eigenschaften gezielt auf die jeweilige Anwendung abstimmen?

Vom Hilfsstoff zum technologischen Möglichmacher

Genau hier setzt IOI Oleo mit seiner LipoGalen®-Plattform an. Die Grundlage der Produktfamilie bilden Polyglycerinester, deren molekulare Struktur sich durch die Variation von Glycerineinheiten, Fettsäureketten und Veresterungsgrad verändern lässt. So kann IOI Oleo unterschiedliche funktionelle Eigenschaften beeinflussen. Gleichzeitig zeichnen sich die Materialien durch eine stabile Kristallstruktur aus und bieten zusätzliche Funktionen wie Emulgiervermögen und Wasseraufnahme. Das eröffnet neuen Spielraum für die Entwicklung anspruchsvoller Arzneiformen, etwa halbfester Zubereitungen oder Systeme zur kontrollierten Wirkstofffreisetzung.

Neue Technologien brauchen neue Materialien

Besonders spannend wird es, wenn innovative Hilfsstoffe auf neue Fertigungstechnologien treffen. Ein Beispiel ist der pharmazeutische 3D-Druck, der es künftig ermöglichen könnte, Arzneimittel stärker auf die Bedürfnisse einzelner Patienten abzustimmen – etwa durch individuelle Dosierungen oder gezielt einstellbare Freisetzungsprofile. Auch kleinere Stückzahlen lassen sich damit flexibel herstellen.

Eine entscheidende Voraussetzung dafür sind Materialien, die sich für diese neuen Herstellungsverfahren eignen. Lipidbasierte Hilfsstoffe können im Vergleich zu vielen Polymeren niedrigere Verarbeitungstemperaturen ermöglichen. Das kann insbesondere bei temperaturempfindlichen Wirkstoffen von Vorteil sein. Auch für die kontrollierte Wirkstofffreisetzung bieten sie interessante Ansatzpunkte.

IOI Oleo untersucht deshalb den Einsatz von LipoGalen® in der additiven Fertigung. Erste Machbarkeitsuntersuchungen mit entsprechenden Strukturen liegen bereits vor. Weitere Forschungsarbeiten konzentrieren sich unter anderem auf Pulverbett- und Inkjet-Verfahren.

Gemeinsam neue Wege erschließen

Um innovative Materialien für neue pharmazeutische Anwendungen nutzbar zu machen, arbeitet IOI Oleo eng mit Forschungspartnern wie Fraunhofer, dem Research Center Pharmaceutical Engineering (RCPE) in Graz und verschiedenen Universitäten zusammen. Gemeinsam wird erforscht, wie sich die Möglichkeiten lipidbasierter Hilfsstoffe für zukünftige Arzneimittelkonzepte nutzen lassen.

Denn die Arzneimittelentwicklung von morgen braucht nicht nur neue Wirkstoffe und Technologien. Sie braucht auch Materialien, die beides zusammenbringen.

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Robert Radsziwill

Robert ist Business Development Manager für funktionelle Hilfsstoffe in der Business Unit Pharma der IOI Oleo GmbH. Vor seiner Zeit bei IOI war er 13 Jahre lang in unterschiedlichen technischen und kaufmännischen Positionen rund um pharmazeutische Rohstoffe in der Pharma- und medizintechnischen Industrie tätig. In jeder seiner Tätigkeiten nutzte er sein Wissen, das er an der Westfälischen Wilhelms-Universität im Rahmen seines Diplomabschlusses in Wirtschaftschemie erworben hat, um interdisziplinäre Projekte voranzutreiben und als Schnittstelle zwischen kaufmännischen und technischen Entscheidungsträgern zu fungieren. Das Verständnis für technische, kommerzielle und regulatorische Faktoren von der Idee bis zum erfolgreichen Projektabschluss ist für ihn von zentraler Bedeutung. In seiner Freizeit hört er gerne gitarrenlastige Musik und kocht für und mit Familie und Freunden.